Herkunftsempfehlungen

Gesundheit, Stabilität und Leistungsvermögen unserer Wälder hängen weitgehend von der richtigen Wahl standortsgemäßer Baumarten und Herkünfte ab. Herkunftsgerechtes Saat- und Pflanzgut steht am Beginn waldbaulichen Handelns.

Die vorliegenden Empfehlungen wurden vom Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf (ASP) erarbeitet. Sie sollen den Waldbesitzer bei der Auswahl der geeigneten Herkunft beraten und es den Forstsamen- und Forstpflanzenbetrieben erleichtern, ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen zu können.

Auszüge aus den Herkunftsempfehlungen

Einführung

1.1 - Allgemeine Grundsätze
Gesundheit, Stabilität und Leistungsvermögen unserer Wälder hängen weitgehend von der richtigen Wahl standortsgemäßer Baumarten und Herkünfte ab. Herkunftsgerechtes Saat- und Pflanzgut steht am Beginn waldbaulichen Handelns.
Natürliche Verjüngung erfüllt diese Forderungen dann bestmöglich, wenn der Ausgangsbestand die notwendigen Voraussetzungen bezüglich Baumartenzusammensetzung sowie deren genetischer Veranlagung bietet. Wo diese Voraussetzungen nicht oder nur bedingt gegeben sind, ist die bedarfsgerechte Versorgung der Waldbesitzer mit geeigneten Herkünften forstlichen Vermehrungsgutes für künstliche Verjüngungsmaßnahmen eine wesentliche Voraussetzung für einen zielgerichteten Waldbau.

Die nachstehenden Empfehlungen wurden vom Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf (ASP) erarbeitet. Sie sollen den Waldbesitzer bei der Auswahl der geeigneten Herkunft beraten und es den Forstsamen- und Forstpflanzenbetrieben erleichtern, ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen zu können.
1.2 - Rechtsgrundlagen
  • Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG)
    vom 22.05.2002 (BGBl. 2002 I Nr. 32 S. 1658)
  • Forstvermehrungsgut-Herkunftsgebietsverordnung (FoVHgV)
    vom 07.10.1994 (BGBl. 1994 I Nr. 86 S. 3578, BGBl. 2003 I Nr. 8 S. 238)
  • Forstvermehrungsgut-Zulassungsverordnung (FoVZV)
    vom 20.12.2002 (BGBl. 2002 I Nr. 88 S. 4721)
  • Forstvermehrungsgut-Durchführungsverordnung (FoVDV)
    vom 20.12.2002 (BGBl. 2002 I Nr. 88 S. 4711)
  • Verordnung zur Durchführung des Forstvermehrungsgutgesetzes (DVFoVG)
    vom 04.06.2003 (GVBl. 2003 S. 371), zuletzt geändert am 16.06.2005 (GVBl. 2005, S. 220)
1.2.1 - Kartenmaterial
Die Nutzung der bundesweiten Herkunftsgebietskarten erfolgt mit Erlaubnis der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

GENRES - Informationssystem Genetische Ressourcen Externer Link

Die Herkunftsgebietskarten der Länder Österreich, Ungarn und Slowakei können im Internet unter folgenden Adressen abgerufen werden:
1.3 - Baumarten, die dem FoVG unterliegen
Botanischer Name Deutscher Name Baumarten-Ziffer
Abies alba Mill. Weißtanne 827
Abies grandis Lindl. Große Küstentanne 830
Acer platanoides L. Spitzahorn 800
Acer pseudoplatanus L. Bergahorn 801
Alnus glutinosa (L.) Gaertn. Schwarzerle 802
Alnus incana (L.) Moench Grauerle 803
Betula pendula Roth Sandbirke 804
Betula pubescens Ehrh. Moorbirke 805
Carpinus betulus L. Hainbuche 806
Castanea sativa Mill. Esskastanie 808
Fagus sylvatica L. Rotbuche 810
Fraxinus excelsior L. Esche 811
Larix decidua Mill. Europäische Lärche 837
Larix eurolepis Henry Hybrid-Lärche 838
Larix kaempferi (Lamb.) Carr. Japanische Lärche 839
Picea abies (L.) Karst. Fichte (Gemeine Fichte) 840
Picea sitchensis (Bong.) Carr. Sitkafichte 844
Pinus nigra Arnold
- var. austriaca
Schwarzkiefer 847
Pinus nigra Arnold
- var. calabrica
Schwarzkiefer 848
Pinus nigra Arnold
- var. corsicana
Schwarzkiefer 849
Pinus sylvestris L. Waldkiefer (Gemeine Kiefer) 851
Populus spp. Pappeln 900
Prunus avium L. Vogelkirsche 814
Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco Douglasie 853
Quercus petraea (Mattuschka) Liebl. Traubeneiche 818
Quercus robur L. Stieleiche 817
Quercus rubra L. Roteiche 816
Robinia pseudoacacia L. Robinie 819
Tilia cordata Mill. Winterlinde 823
Tilia platyphyllos Scop. Sommerlinde 824
1.4 - Erläuterungen zu den Herkunftsempfehlungen
Die Herkunftsempfehlungen gründen auf den Ergebnissen jahrzehntelanger Forschungsarbeiten zur Genetik der Waldbäume und den in über 200 Jahren gesammelten Erfahrungen der forstlichen Praxis.
Soweit bereits fundierte Erkenntnisse vorlagen, wurde bei der Überarbeitung der Herkunftsempfehlungen auch dem beobachteten Klimawandel Rechnung getragen.

Sie sind für jede Baumart gegliedert in:

Allgemeiner Teil

  • Neben der heutigen Verbreitung, der Rückwanderungsgeschichte und den Standortsansprüchen werden Erkenntnisse genetischer Untersuchungen, Ergebnisse aus Herkunftsversuchen und Nachkommenschaftsprüfungen kurz beschrieben sowie die Anzahl der Herkunftsgebiete in Bayern angegeben.

Herkunftsgebietskarten Bayern und Deutschland

    Herkunftsgebiete in Bayern

    • Für die bayerischen Herkunftsgebiete werden die entsprechenden ökologischen Grundeinheiten aufgeführt. Deren genaue Grenzen finden sich unter Punkt 4. Zudem sind bei den Herkunftsgebieten kurze Anmerkungen zu den klimatischen und standörtlichen Gegebenheiten aufgeführt, die für die Herkunftsempfehlungen relevant sind.
    • Die Herkunftsgebiete außerhalb Bayerns, aus denen Ersatzherkünfte stammen können, sind aus den bundesweiten Herkunftsgebietskarten der entsprechenden Baumarten ersichtlich.

    Herkunftsempfehlungen

    • Bis auf wenige Ausnahmen ist für jedes Herkunftsgebiet das aus diesem Gebiet stammende Vermehrungsgut zu bevorzugen. Erst wenn kein entsprechendes Material aus dem Herkunftsgebiet vorhanden ist, soll auf Ersatzherkünfte ausgewichen werden.
    • Bei den Kategorien ist folgende Rangfolge zu beachten: „geprüft“ - „qualifiziert“ - „ausgewählt“
    • Bei der Kategorie „geprüft“ wurde die Überlegenheit der Nachkommen aus der Ernteeinheit in Feldversuchen nachgewiesen. Die Kategorie „qualifiziert“ stammt aus Samenplantagen, die Kategorie „ausgewählt“ aus nach phänotypischen Kriterien ausgewählten Erntebeständen. Aufgeführt ist nur die Kategorie, die unserer Kenntnis nach zur Zeit im entsprechenden Herkunftsgebiet verfügbar ist. Höherwertige Kategorien dürfen selbstverständlich verwendet werden.
    • Bei Empfehlungen von geprüften Beständen aus anderen Bundesländern ist die Abkürzung des Bundeslandes in Klammern angegeben. Bei Empfehlungen von Herkünften aus anderen EU-Mitgliedsstaaten werden die entsprechenden nationalen Bezeichnungen der Herkunftsgebiete verwendet.
    1.5 - Verbindlichkeit
    Die Herkunftsempfehlungen für forstliches Vermehrungsgut in Bayern wurden vom ASP Teisendorf nach den Erkenntnissen der Forschung und den Ergebnissen von Feldversuchen aktualisiert, dem Bayerischen Gutachterausschuss für forstliches Vermehrungsgut (LGAF) vorgelegt und nach Zustimmung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten umgesetzt.

    Die Verwendung von Vermehrungsgut geeigneter Herkunft nach den Herkunftsempfehlungen ist

    • die Grundlage für die Bewirtschaftung des Staats- und Körperschaftswaldes in Bayern (Art. 18, 19 BayWaldG)
    • die Grundlage für die Bewirtschaftung von Wäldern, die nach PEFC zertifiziert sind (Standard 4.2.PEFC)
    • die Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln nach der Richtlinie für Zuwendungen zu waldbaulichen Maßnahmen im Rahmen eines Förderprogramms (WaldFöP, Ziffer 4.1.1)
    In begründeten Einzelfällen kann das ASP als Landesstelle in Absprache mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Änderungen oder Ausnahmen zulassen
    1.6 - Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen
    AELF Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
    ASP Bayerisches Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht
    DKV Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut e.V.
    FoA Forstamt
    GE Ökologische Grundeinheit
    HKG Herkunftsgebiet
    PEFC Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes
    SHK Sonderherkunft
    SPL Samenplantage
    WG Wuchsgebiet
    BW Baden-Württemberg
    HE Hessen
    NI Niedersachsen
    NW Nordrhein-Westfalen
    SH Schleswig-Holstein
    SN Sachsen

    Ökologische Grundeinheiten in Bayern

    Auf der Basis der in Deutschland ausgeschiedenen Wuchsgebiete (z.T. auch Wuchsbezirke) wurden unter Berücksichtigung standörtlicher und geobotanischer Kriterien für die gesamte Bundesrepublik 46 ökologische Grundeinheiten ausgewiesen. Aus diesen sind für die einzelnen Baumarten - entsprechend ihrer Verbreitung und Bedeutung sowie anhand phänotypischer und genetischer Merkmale - unterschiedlich große Herkunftsgebiete gebildet worden.

    Grundeinheiten mit großer vertikaler Gliederung unterteilen sich zusätzlich nach der Höhe. Da sich die Lage gleicher Höhenstufen klimatisch betrachtet von Norden nach Süden bzw. von Westen nach Osten nach oben verschiebt, variieren die Höhengrenzen zwischen den Grundeinheiten. Deshalb gibt es in Einzelfällen auch innerhalb eines Herkunftsgebietes unterschiedliche Höhengrenzen.

    Ökologische Grundeinheiten im PDF-Format zum Download pdf 850 KB

    Herkunftsgebiete - Interaktive Karten der BLE

    Mit nachstehendem Link kommen Sie zur Startseite von FGRDEU-Online. Hier können Sie die interaktiven Karten der Herkunftsgebiete und Ökologischen Grundeinheiten der BLE nutzen.

    Interaktive Karten Externer Link

    Anleitung zum Öffnen der interaktiven Karten der BLE

    Anleitung pdf 762 KB

    Baumarten